2010. október 26., kedd

Psychotherapien

Bruchstücken und den käuflichen Dingen
nur auf Widerrufzubestimmt zu sein. Es wäre der endgültige
Triumph der sexuellen Fragmente. Unvorstellbar
aber ist jener Triumph, der sich einstellte, wenn die alten
Natur- und Gesellschaftsgrenzen nicht nur theoretischtechnologisch
wie zuletzt beim Klonen überschritten, sondern
durch das Umkodieren und die Transformation von
Sinnlichkeit und Wahrnehmung lebenspraktisch kollektiv
außer Kraft gesetzt würden, indem sich die digitale Weitsicht,
die keine Lebewesen alter Rechnung, keine Mysterien
und Götter kennt, allgemein durchsetzte.
Gegenwärtig ist unser Alltag von sexuellen Reizen ebenso
überflutet wie entleert. Das ist eine der zentralen Paradoxien
der neosexuellen Revolution (vgl. Sigusch 2005a).
Offenbar werden Erotik und Lust durch deren übertriebene
kulturelle Inszenierung, durch deren beinahe lückenlose
Kommerzialisierung und elektronische Zerstreuung wirksamer
ausgetrieben, als es die alte Unterdrückung viagra preise durch
Verbote vermocht hat. Dass die Verbote immer lustgesättigt
waren, wussten Freud und Bataille. Der Vatikan aber
ahnt es schon länger. Gegenwärtig ist er, jedenfalls in Mitteleuropa,
die letzte Institution viagra kaufen, die paradoxerweise versucht,
durch Verbote sexuelle Begierde viagra bestellen anzustacheln und
sexuelle Lust groß zu machen. Seine Verdikte sprechen der
Sexualität unbeirrt und unzeitgemäß eine Mächtigkeit zu,
die sie nicht mehr hat. Denn ganz offensichtlich bezeichnet
Eros nicht mehr die offene Stelle in unserer Kultur (Sigusch
2000). Noch aber wird keiner die Sexualität ganz los. Und
die neosexuelle Revolution, der größte Banalisierungsschub
in der Geschichte des abendländischen Sexus, hat natürlich
nicht die Konflikte um Erregung, Geschlechtlichkeit und
Liebe aus der Welt geschafft. Auch vermögen unbewusste
Impulse und individuelle Phantasien noch immer dem zu
widersprechen, was allgemein als rational entschieden gilt.
Noch können in der sexuellen Erregung Dinge zurücktreten,
die das Alltagsleben strangulieren. Alles ist gang und
gäbe, alles scheint eingefügt und erstarrt, doch da ereignet
sich etwas Unvorhergesehenes, Erschütterndes, Verrücktes.
Infantile Allmachts- und Vollkommenheitsphantasien sind
auf einmal wieder da. Es geht nicht mehr gemütlich zu,
sondern höchst riskant, es herrscht nicht mehr Langeweile,
sondern ein Ausnahmezustand. Das, so glauben wir, ohne
den Objektiven, Dispositiven und Imperativen das alte
selbstmächtige Subjekt entgegenhalten zu wollen, vermag
das Sexuelle immer noch, das Freud (1895: 381) vor mehr
als einhundert Jahren ein "großes Bedürfnis" genannt hat.
Deshalb hat wohl auch Martin Dannecker (1992), immerhin
ein Jahrhundert später, vom "Drama der Sexualität"
gesprochen viagra (bestellen, kaufen, preise).

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